12042016Headline:

Das Impingement Syndrom der Schulter

Das Impingement Syndrom (eng. Zusammenstoßen) ist eine der häufigsten Ursachen für Schmerzen im Bereich der Schulter. Hierbei kommt es zu einem „Zusammenstoßen“ bzw. Einklemmen der Weichteile wie Muskeln, Sehnen, Bänder und Schleimbeutel zwischen dem Schulterdachknochen (Acromion) und dem Oberarmkopf im sog. Subacromialraum. Die Schulterschmerzen sind meistens schleichend im Beginn und werden initial hingenommen bzw. ignoriert. Nicht selten kann eine „falsche“ ruckartige Bewegung, akute Überbelastung wie z.B. Krafttraining oder ein Trauma die Schmerzen so verstärken, dass es zu einer erheblichen Bewegungseinschränkung kommt. Spätestens dann ist es höchste Zeit einen Arzt hinzu zu ziehen.

Das Impingement Syndrom ist meistens verursacht durch verschleißbedingte, also degenerative Veränderungen der Weichteile im zunehmenden Alter. Hier sind vor allem die vier Rotatorenmanschettenmuskeln und deren Sehnen – einer Gruppe von tiefen Schultermuskeln verantwortlich für die Abspreiz- und Drehbewegungen des Armes – betroffen. Neben einem Riss der Rotatorenmanschettensehnen können auch Sehnenveränderungen wie z.B. Sehnenverkalkungen (Abb. 1), knöcherne Veränderungen wie z.B. Knochensporne (Abb. 2) oder die Arthrose des Schultereckgelenkes (Acromioclaviculargelenksarthrose Abk. ACG-Arthrose) die Hauptursache für das Impingement Syndrom sein.  Es gibt aber auch funktionelle Störungen, welche zu einem Impingement Syndrom und zugleich zu Schulterschmerzenführen können. Wenn z.B. beim Krafttraining der Deltamuskel, welcher den Oberarmkopf nach oben zieht, stärker auftrainiert wird als die Muskeln der Rotatorenmanschette, welche den Oberarmkopf nach unten ziehen, kommt es auch durch diese Dysbalance zu einem Einklemmen des Schleimbeutels. Auch eine Verkürzung der Gelenkkapsel im Rahmen einer Schultersteife (Frozen shoulder) kann ein Impingement bedingen.  Auf diese Einklemmungen reagiert der Körper mit einer nicht-bakteriellen Entzündung des Schleimbeutels (Bursitis) und der Gelenkinnenhaut (Synovialitis), der Raum zwischen dem Schulterdach und Oberarmkopf wird durch die Schwellung des Schleimbeutels noch enger und ein Teufelskreis entsteht.

Abb. 1: Links- Röntgenbild der linken Schulter einer 47 jährigen Patientin mit Verkalkung der Rotatorenmanschette. Rechts- Sehnenverkalkung der Rotatorenmanschette am Leichenpräparat

Abb. 1: Röntgenbild der linken Schulter

Sehnenverkalkung der Rotatorenmanschette

Am häufigsten klagen die Patienten während der ärzlichen Untersuchung über Schulterschmerzen bei Belastung v.a. beim Heben der Arme nach vorne, Abspreizen der Arme zur Seite oder bei Drehbewegungen; im Verlauf können Ruheschmerzen und nächtliche Schmerzen hinzu kommen. Nicht selten strahlen diese Schmerzen zum Nacken oder Oberarm aus.

Die Diagnose des Impingement Syndroms wird anhand einer gründlichen körperlichen Untersuchung, genauen Beurteilung der Krankheitsgeschichte und körperlichen Betätigungen (Überkopfarbeiten, Sportarten wie z.B. Tennis oder Handball) gestellt. Bildgebende Verfahren wie das Röntgenbild sind meistens ausreichend um knöcherne Veränderungen auszuschließen und die Diagnose zu sichern.

Um Veränderungen von Weichteilen wie Bänder, Sehnen, Muskeln etc. zu beurteilen können auch Ultraschalluntersuchungen oder schnittbildgebende Verfahren wie die Magnet-Resonanz-Tomographie/MRT (Kernspintomographie) zum Einsatz kommen.Die Therapie beginnt konservativ mit schmerzlindernden und entzündungshemmenden Medikamenten (nicht-steroidalen Antirheumatika wie Ibuprofen oder Diclofenac) und Krankengymnastik mit ggf. Ultraschalltherapie oder Stoßwellentherapie bei Sehnenverkalkungen. Ziel der Krankengymnastik ist es die Beweglichkeit wiederherzustellen, die Schultermuskulatur v.a. die Rotatorenmanschette zu kräftigen und Dehnübungen zu erlernen damit es nicht zu einer Kapselverkürzung kommt.

Abb. 2: Röntgenbild der linken Schulter einer Patientin mit einem Knochensporn des Schulterdachknochens welcher den Subacromialraum deutlich einengt.

Abb. 1: Röntgenbild der linken Schulter

Es ist sehr wichtig, dass die in der Krankengymnastik erlernten Übungen mehrmals täglich eigenständig zu Hause oder in der Arbeitspause wiederholt werden. Bei anhaltenden Schulterschmerzen trotz der o.g. konservativen Therapiemaßnahmen kann der Subacromialraum im Verlauf mit Lokalanästhetika (lokales Betäubungsmittel) oder mit der Kombination aus Lokalanästhetika und Kortison infiltriert werden; die Wirkung von Kortison ist entzündungshemmend und kann über merhrere Wochen zu Beschwerdefreiheit führen. Kortison wirkt aber nur vorrübergehend und kann nicht beliebig oft gespritzt werden. In sehr hartnäckigen und Therapie-resistenten Fällen, bei starken Spornbildungen oder bei Begleiterkrankungen wie z.B. Rotatoren-Manschettenrupturen, kann die operative Therapie der letzte Ausweg sein. Heutzutage wird zunehmend arthroskopisch,  kameragestützt operiert.

Abb. 3: Arthroskopischer Blick in den Subacromialraum auf den Sporn des Schulterdaches. Mit der Fräse wird der Sporn abgetragen.

Arthroskopischer Blick auf den Sporn

Durch kleine Hautschnitte an der Schulter wird ein Arthroskop (Kamera) in das Schultergelenk eingeführt und mit einer Fräse der Sporn abgetragen (Abb. 3), der entzündete Schleimbeutel entfernt und damit der Raum erweitert. Ggf. werden auch Risse in der Sehne genäht oder der Kalk entfernt. Abhängig vom Ausmaß der Veränderungen im Schultergelenk kann auch offen operiert werden.Falls Sie Schmerzen im Schulterbereich verspüren, suchen Sie frühzeitig Ihren Orthopäden auf. Mit der zügigen ärztlichen Vorstellung können Folgeschäden vermieden und andere potentielle Krankheitsbilder der Schulter ausgeschlossen werden. Außerdem ist der Therapieerfolg im Frühstadium am größten. Bei Fragen zum Impingement Syndrom oder zu anderen Gesundheitsthemen, wenden Sie sich bitte an die Redaktion.

 

 

Mit besten Dank and die Autoren:

 

Dr. med. Mehmet F. Güleçyüz1

Prof. Dr. med. Andrea Baur-Melnyk2

Prof. Dr. med. Peter E. Müller1

 

1 Orthopädische Klinik und Poliklinik, Klinikum der Universität München-Grosshadern

2 Institut für Klinische Radiologie, Klinikum der Universität München-Grosshadern

 

 

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