12042016Headline:

Frozen Shoulder – Schultersteife

Beitrag von:

Prof. Dr. med. Andrea Baur-Melnyk

Die „Frozen Shoulder“ , eine schmerzbedingte Schultersteife, in der Fachsprache auch als  adhäsive Kapsulitis bezeichnet, ist eine häufige Erkrankung (3-5% der Bevölkerung) der Schulter, die mit Schmerzen und Bewegungseinschränkungen einhergeht. Sie betrifft mehr Frauen als Männer und kommt überwiegend im mittleren Lebensalter (> 40 J.) vor. Meist beginnt sie mit Schmerzen, welche besonders nachts beim Schlafen auf der betroffenen Schulter auftreten. Typischerweise treten die Beschwerden auch beim Hineinschlüpfen in ein Oberteil z.b. Mantel/Bluse auf. Die Bewegung des Arms nach hinten und oben seitlich ist schmerzhaft und eingeschränkt. Typisch ist auch eine eingeschränkte Außenrotation bei am Körper angelegtem (adduzierten) Arm.

Häufig wird das Krankheitsbild aufgrund überlappender Symptome mit dem Impingement-Syndrom oder einer Sehnenläsion verwechselt. Dazu kommt dass die Befunde oft diskret sind und nur vom Experten als solche erkannt werden. Man kann im typischen Fall eine verdickte Kapsel nachweisen, welche verstärkt Kontrastmittel aufnimmt. Im Rotatorenintervall bildet sich eine Fibrose aus. Das Röntgen ist unauffällig und zeigt Zufallsbefunde, wie z.b eine leichte Arthrose des Schulter-Eck-Gelenks oder Kalkablagerungen. Meist tritt die adhäsive Kapsulitis spontan auf – ohne erkenntlichen Grund – oder nach Bagatelltraumen an die sich die Patienten oft nicht mehr erinnern. Die adhäsive Kapsulitis kann mit einem Diabetes mellitus („Zuckerkrankheit“) vergesellschaftet sein, deshalb sollte ein Diabetes labortechnisch immer ausgeschlossen werden.

Zugrunde liegt eine überschießende Kapselentzündung der Schulter, welche später fibrosiert. Im Anfangsstadium (1. Drittel der Erkrankung) überwiegen die Schmerzen, welche auch in den Nacken und den Arm ausstrahlen können. Im weiteren Verlauf kommt eine zunehmende Einsteifung hinzu (2. Drittel). Später nehmen die Schmerzen ab und es bleibt zunächst eine Einsteifung/ Bewegungseinschränkung bestehen, welche sich nach einer variablen Zeit auflöst (3. Drittel). Der Verlauf kann 1-4 Jahre betragen. In der Regel wird symptomatisch behandelt. Ein Teil der betroffenen Patienten kommt ohne Therapie aus, bzw. mit leichter Schmerzmedikation im Anfangsstadium.

Leichte Übungen mit dem Arm (z.B. Arm nach vorne hängen lassen und kreisförmiges Pendeln) erhalten die Beweglichkeit. Diese sollten in der Regel von einem physikalischen Therapeuten eintrainiert und begleitet werden. Der Zeitverlauf kann mit einer oralen Corticoidgabe reduziert werden, jedoch sind Nebenwirkungen möglich. Diese sind bei niedrig dosierter Gabe (nach Habermeyer), eher selten. Im Anfangsstadium kann auch eine Injektion von Cortison ins Gelenk und perikapsulär eine deutliche Erleichterung bringen.  Bei langwierigen hartnäckigen Fällen der Frozen Shoulder (Schultersteife) kommt auch gelegentlich eine operative Lösung der Fibrosestränge und Kapsel zum Einsatz.

 

Literatur:
Polster JM et al. Shoulder MRI: what do we miss? AJR Volume 195, 2010
Ewald A. Adhesive Kapsulitis: a review. Am Family physician Volume 83, 2011
Hannafin JA, Chiaia TA. Adhesive capsulitis. A treatment approach. Clin Orthop Relat Res 2000:95-109.

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