12042016Headline:

Prävention bei Herzinfarkt

Die Prävention von Herz-Erkrankungen nimmt in der Medizin einen hohen Stellenwert ein: Kardiovaskuläre Ereignisse, insbesondere für Herzinfarkt und Schlaganfall sind neben Tumorerkrankungen häufig und machen cirka 30% in der Statistik aller Todesfälle aus. Ursache ist die Arteriosklerose (Gefäßwandverengung). Das Risiko einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden kann anhand des Vorliegens von 4 Hauptrisikofaktoren bestimmt werden. Durch gezielte Prävention kann dieses Risiko verringert werden.

Die 4 Hauptrisikofaktoren sind:

  1. Das Vorliegen von Diabetes mellitus. Hierzu genügt in der Regel eine einfache Nüchternblutzuckertestung.  Diese können sie bei ihrem Hausarzt oder in der Apotheke vornehmen lassen. Als Faustregel gilt der Nüchternblutzucker sollte kleiner als 100 sein.  Falls dieser erhöht ist sollte man beim Arzt einen Glucosetoleranztest machen lassen. Hierzu wird eine bestimmte Menge Zuckerlösung  getrunken und nach 1 bzw 2 Std nochmals der Blutzuckerwert im Blut bestimmt.

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  2. Das Vorliegen eines Bluthochdrucks (Hypertonie). Die Blutgefäße sind wie Rohrleitungen anzusehen. Wird das Blut immer mit erhöhtem Druck durchgepumpt treten leichter Risse in der Wand auf, die das Gefäß verändern und einengen können. Der Normalwert liegt bei 120/80 mm Hg. Ein niedriger Blutdruck ist als protektiv anzusehen. Der Blutdruck kann ebenfalls einfach in der Apotheke oder beim Arzt getestet werden. Es empfiehlt sich bei leicht erhöhtem Blutdruck mehrmals am Tag (z.B. mit einem Heimblutdruckmessgerät)  zu messen. Ab einem Wert von > 130/90 mmHg spricht man von dauerhaft erhöhtem Blutdruck. Der Facharzt sollte in diesem Fall konsultiert werden um eine sinnvolle Blutdruckeinstellung vorzunehmen.
  3. Ein erhöhter Cholesterinwert im Blut. Fette können sich in den Blutgefäßwänden anlagern zu lokalen Entzündungen und Einengungen führen. Der Cholesterinwert sollte im Rahmen einer Nüchternblutentnahme bestimmt werden. Ein Zielwert von < 180 mg/dl ist als protektiv anzusehen.  Der Cholesterinspiegel ist meist durch fettreiche Kost erhöht teilweise gepaart mit einer genetischen Veranlagung. Hier spielt der sogenannte Lpa Faktor eine Rolle der ebenfalls im Blut bestimmt werden kann. Im Rahmen der Cholesterinwert-Testung werden verschiedenen Untergruppen bestimmt, zb. HDL („gutes Cholesterin“), LDL („böses Cholesterin“) und die Triglyzeride. In jedem Fall kann durch fettarme Kost (Link) und sportliche Betätigung der Cholesterinwert im Blut positiv beeinflusst werden. Es hat sich in verschiedenen Studien gezeigt, dass 3 x 30 Minuten zügiges Gehen/Walken oder Joggen pro Woche in der Regel für eine positive Beeinflussung ausreichen.
  4. Rauchen! Auch geringe Mengen an Zigaretten erhöhen bereits das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall.
  5. Weitere Risikofaktoren sind u.a. lang andauernder Stress und eine genetische Veranlagung. Haben Mutter oder Vater bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten ist Vorsicht geboten.

All diese Faktoren führen zu Schäden und Entzündungen an den Blutgefäßwänden. Nach und nach verkalken diese und das Gefäß verengt sich, so dass Minderdurchblutung im Herz oder Hirn resultieren.  Risikofaktoren können bewusst vermieden oder ausgeschaltet werden. Je früher sie damit beginnen desto besser!

Bildgebende Methoden:

Mit einer nativen Computertomographie kann ein sogenannter „Kalkscore“ errechnet werden. Hierzu wird das Herz mit einer CT untersucht und der Kalkanteil in den Herzkranzgefäßen errechnet. Dieser wird mit einem alters- und geschlechtsspezifischen Kollektiv verglichen. Die Stärke der Methode liegt im hohen negativen Vorhersagewert. Bei niedrigem Kalkscore ist die Wahrscheinlichkeit für einen Herzinfarkt sehr niedrig.

Die direkte Darstellung der Herzkranzgefäße kann entweder mit dem Herzkatheter (invasive Methode, Röntgenstrahlung) und Kontrastmittel oder mit modernen CT Geräten erfolgen (CTA). Hierzu wird jodhaltiges Kontrastmittel in eine Vene am Arm eingespritzt und das Herz in Sekundenschnelle aufgenommen. Mit den heute verfügbaren modernsten Geräten kann die Strahlenbelastung signifikant auf circa 1-2 mSv reduziert werden (zum Vergleich die natürliche Strahlenbelastung/Jahr beträgt in Deutschland circa 2,5 mSv/Jahr). Ältere Geräte benötigen für die CTA zwischen 8-15 mSv! Ob eine Indikation zum Herzkatheter oder zur CTA vorliegt muss ein Facharzt für Kardiologie entscheiden.

Eine weitere bildgebende Methode ist der Ultraschall. Hierbei können direkt die Gefäßweite und Plaques in der Wand dargestellt werden. Dies gelingt allerdings nur an den Arterien die oberflächlich liegen, also die Hals- oder Beingefäße. Das Verhältnis aus Intima (Gefäßinnenwand) zur Mediadicke (mittlere/äußere Wandschicht) ist ebenfalls ein hilfreicher prognostischer Parameter für eine Arteriosklerose.

Wenn Sie einen ersten Eindruck von Ihrem persönlichen Herzrisiko erhalten möchten, können Sie einen der im Internet verfügbaren Risikokalkulatoren nutzen. Personen, die bereits eine Herzerkrankung haben, und Diabetiker weisen bereits ein hohes Risiko auf. Für sie bringt die Berechnung der Risikos mit den unten verlinkten Rechnern keine weiteren Informationen.

 

PROCAM-Rechner

Schätzt das persönliche Risiko, innerhalb der nächsten 10 Jahre einen Herzinfarkt zu erleiden. Er basiert ausschließlich auf Daten von Männern aus Deutschland und ist daher für Frauen nur bedingt aussagekräftig.
http://www.chd-taskforce.de/calculator.php?iSprache=2&iVersion=1&iSiVersion=0

 

Framingham-Rechner

Schätzt das persönliche Risiko, innerhalb der nächsten zehn Jahre einen Herzinfarkt zu erleiden. Basiert auf Daten aus Nordamerika bei Männern und Frauen.
http://www.bnk.de/transfer/framingham.htm

 

Euro-Score Deutschland

Schätzt das persönliche Risiko, innerhalb der nächsten zehn Jahre einen Herzinfarkt zu erleiden. Basiert auf Daten aus Deutschland bei Männern und Frauen.
http://www.bnk.de/transfer/euro.htm

Literatur

Berry JD et al. Lifetime risk of cardiovascular disease. NEJM 2012:366:321-329

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One Response to "Prävention bei Herzinfarkt"

  1. Klaus sagt:

    Die Vorbeugung ist sehr wichtig. Jeder sollte das ernst nehmen. Auch sollte sich jeder über die Anzeichen eines Schlaganfalls informieren. Denn es kann jeden zu jeder Zeit treffen. Dann ist aber keine Zeit mehr dazu.
    Prävention bedeutet also auch Information. Damit lassen sich die Folgen eines Schlaganfalls mindern.

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